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Heimatforschung war seine Leidenschaft

Waldemar Lang †, stellvertretender Hauptkulturwart des Frankenwaldvereins e.V. und langjähriger Wege- und Kulturwart unserer Ortsgruppe Steinbach e.V. des Frankenwaldvereins e.V., war weit über seinen Heimatort hinaus als Heimatforscher bekannt. Seine große Leidenschaft galt der Erforschung der Geschichte seiner Heimat, insbesondere über den Bergbau. Er versuchte im 30!! Meter Bergbau-Repertoire im Staatsarchiv Bamberg immer noch mehr Unterlagen zu finden, um die genaue Lage der Bergwerke bestimmen zu können. Dies ist bisher nur zum Teil gelungen.

 Leider war es ihm nicht mehr selbst vergönnt, seine Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Unser Dank gilt daher seiner Ehefrau Elke, welche uns die Forschungsergebnisse freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und Herrn Dr. Bruno Frobel für seine Bereitschaft, die bereits von ihm veröffentlichten Beiträge hierzu mit zu verwenden.

Der Kreuzstein am „Kreuz“ bei Steinbach

Generationen sind den Weg von Steinbach nach Geroldsgrün und zurück gegangen, ohne sich Gedanken über die Bezeichnung der Flur zu machen, durch die er führt. „Man gehe über das Kreuz“ sagte man und beließ es dabei.

 Waldemar Lang wollte es genauer wissen. Im Bamberger Staatsarchiv wurde er fündig. Er fand heraus, dass 1633, im Dreißigjährigen Krieg, hier ein Mord geschah.

Nach dem Tode Gustav Adolfs, ein Jahr zuvor, begann der Krieg aus den Fugen zu geraten, marodierende Landsknechte machten zunehmend das Leben unsicherer.

Der Steinbacher Hannsen Frantz und sein Sohn machten auf der Höhe zwischen den Waldstücken „Kühknock“ und „Hagenbühl“ Holz, als sie von Soldaten überfallen wurden. Hannsen Frantz wurde dabei getötet. Der Sohn konnte fliehen und die Bewohner von Steinbach warnen.

Seit dieser Zeit gibt es in Steinbach den Hausnamen „Schreyer“, dessen Herkunft damit vielleicht auch geklärt sein dürfte.

 Waldemar Lang und sein Sohn Andreas haben einen Findling, der mit Kreuz und Jahreszahl versehen ist, am Ort des tragischen Geschehens aufgestellt, um an die Ereignisse am Weg übers „Kreuz“ zu erinnern.



Der Schwedenstein

Ein weiteres Zeugnis dafür, dass der Dreißigjährige Krieg an unserem Heimatort nicht spurlos vorübergegangen ist, wird belegt durch den Fund eines Grabsteines sowie von zwei Schwedeneisen (Hufeisen), die in unmittelbarer Nähe - nur einige hundert Meter vom „Kreuz“ entfernt - gefunden wurden. Bei diesem so genannten „Schwedenstein“ handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Findling, sondern dieser Stein wurde „gesetzt“, das heißt von Menschenhand aufgestellt. 

 Aufzeichnungen darüber sind leider nicht vorhanden. Aus mündlichen Überlieferungen der Dorfbewohner und eigenen Nachforschungen von Waldemar Lang ist aber ein Zusammenhang mit dem Geschehen am „Kreuz“ durchaus nachvollziehbar.  

Mitglieder unserer Frankenwaldvereinsortsgruppe haben den „Schwedenstein“ an seinem ursprünglichen Fundort - am Weg zu unserem Wanderheim - wieder neu gesetzt.


Das Gold am Gevattergraben


Sagen haben ja oft einen wahren Kern. So hütete ein Langenbacher Hirte im Gevattergraben sein Vieh. Er traf dort einen Zwerg, der ihn warnte: Wenn er einen Schatz fände, solle er sich nur täglich ein Goldstück davon nehmen. Zur Geroldsgrüner Kirchweih nahm er sich aber zwei Goldstücke. Die Truhe schlug zu, seine Hände waren weg.

Was wissen wir heute wirklich? Der Gevattergraben stellt eine derzeit stellenweise stark bewaldete, mehrere hundert Meter lange und gewundene Schlucht oder Rösche dar, in die man ganze Häuser stellen könnte. Eine Wasserzuleitung von Steinbach, in einem großen Bogen um den Langesbühl herum über Großenreuth ist im Wald vor Erreichen des Gevattergrabens noch gut zu sehen.

Vor der Erwähnung von Jahreszahlen und Literaturstellen eine wichtige Tatsache: Der Nürnberger Burggraf Friedrich IV. bekam als erster Bayreuther Markgraf vom Kaiser Ludwig dem Bayern für seine Hilfe in der Schlacht bei Mühldorf (28.9.1322 Sieg über Ludwig dem Schönen von Österreich) das Privileg, in seinem Lande Gold- und Silberbergwerke zu eröffnen. Bereits 1324 nahm er einige Gold-, Silber- und Kupferbergwerke zwischen Plassenburg, Schorgast und Münchberg förmlich zu Lehen. Er hatte vorher genau gewusst, was er haben wollte. Ab dieser Zeit dürfte auch das Gold vom Gevattergraben – gleichzeitig mit dem silberhaltigen Bleiglanz von Dürrenwaid - abgebaut worden sein.

1477 erscheint in einem Extrakt aus einem alten Lehenbuch (1620 nochmals abgeschrieben für Markgraf Albrecht) ein „Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht“.

1562 sind bei Kretschmann (Sammlung zu einer Berg-Historia des Markgrafenthums Brandenburg-Bayreuth 1741, Reprint 1992) Gewerkschaften auf St. Lambert und dem Erbstollen am Gevatterbach genannt.

1730 schreibt Ernesto Bruckmann in „Magnalia dei …“ Dirrenweyd unter Langenbach / bey der sogenannten Mühlleiten / sind am Gehäng verschiedene Gräben / wie Seiffen-Werke zu sehen / findet sich eine gilbliche Talk-Arth / aus welcher vor langer Zeiten soll seyn Gold gemachet worden / da noch eine Mühle den Nahmen davon her hat / Gold-Mühle genannt / am Bach die Oelschnitz gelegen.

1767 finden wir in „Versuch einer topografischen Beschreibung des Oberamtes Lichtenberg und Thierbach“ von Anonymus S. 461: Darunter (unter Steinbach) liegt die Goldmühl und wird zu dieser Dorfgemeine gerechnet, ist auf Charte bes. gezeichnet. Es soll solche diese Benennung daher haben, weil sie von der an dem Gevatterbach eingegangenen Kunst- und Goldwäsche soll erbaut worden seyn, wie man denn einen runden Stein daselbst zeiget, der wie ein Reibstein aussiehet, und zum Goldreinigen soll gebrauchet worden seyn. Und S. 469: Der Langenbach nimmt (u.a.) den Gevattersbach zu sich….. Gevattersbach fließet in den nach Steinbach gehörenden Wiesen zusammen, hält seinen Lauf gerade von Morgen gegen Abend (von Ost nach West) und vereinigt sich unter der unteren Mühle an der Mühlleiten mit dem Langenbach. Ehehin war hier ein ansehnliches Goldseifen- und Wäschwerk und auch der Bach durch einen Graben auf eine daselbst gehangene Kunst geleitet.

1770 heißt es in dem Befahrungsbericht der Bergwerke von Bergrat Bothmer, Bl. 99: Man hat sich hierauf gegen den sogenannten Gevattersgraben den Berg hinab, gegen den Langenbacher Grund gewendet, welches ein Zug von 300 Lachtern (600 Meter) ohngefehr ist, allwo man die deutlichsten Spuhren einer viele und lange Jahre allda betriebenen Seiffenarbeit, auch dabey erschrotenen (?) starke Wasser wahrgenommen hat. Die Tiefe, Breite und Länge des Grabens, ingleichen die mit sovielen Kosten aus demselben geförderten (?) Halden, ferner das von Steinbach herbey geführte Aufschlagwasser leget genugsam zu Tage, dass dieses ein importantes Werk müsste gewesen seyn, auf welchen eher Gold als Zinn geseifet worden.

1792 finden wir bei Humboldt (Über den Zustand des Bergbaues und Hüttenwesens in den Fürstentümern Bayreuth und Ansbach, Reprint 1959) S. 119 über den Gevattergraben: Ebenfalls in diesem Gegengebirge (vom Schwarzen Mohr bei Silberstein) aber am mitternächtlichen Abhang desselben liegt der Gevattergraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß zur Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, dass der Gewinnst beträchtlich war) von Steinbach um Großenreuth die Wasser in Spundstücken hinzu. Wo zog man aber das hier gewaschene Gold her? Zu beiden Seiten des Grabens sind Haldenstürze und Spuren von Schürfarbeiten. Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben? Noch vor 15 Jahren (1777) waren sächsische Bergleute, andere sagen Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Dass aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel.

Man sollte längs am Graben das Gebirge ein paar Lachter aufschließen, denn die alten Baue scheinen auch nicht tiefer gewesen zu sein. Schmelzöfen, 3 bis 4 Fuß hoch, waren sonst ebenfalls hier vorhanden. Über dem Gevattergraben liegt ein Roteisensteinlager, das alle Vermutungen noch mehr verwirrt, aber freilich wohl nicht in die Teufe setzt. Die starke Vegetation verhindert alle Untersuchungen.

1797 finden wir bei Helfrecht (Beschreibung der Landeshauptmannschaft Hof) S. 121: Auf edlere Metalle hat man ehedem bey Steben und Geroldsgrün Wäschen und Fundgruben angelegt, wovon ich nur einige anführen will: Der Gevattergraben war ein Seifenwerk auf Gold, worauf man noch neuerlich Anweisung angetroffen haben will. Dieser Gevattergraben ist an der sogenannten Mühlleiten und läuft von SO auf die entgegengesetzte Seite. S. 122: Bey Steinbach im Lichtenbergischen hat noch eine Einzel den Namen Goldmühl. Wahrscheinlich war diese der Ort, wo man ehedem das Gold zum Schmelzen zubereitete, wie bey Goldkronach.

1817 steht bei Goldfuß und Bischof (Physikalisch-statistische Beschreibung des Fichtelgebirges) Teil 2, S. 243: Unterhalb des Hügels liegt der Gevattergraben, eine kleine Schlucht, in welcher ehemals die Grube „Güte Gottes“ auf einem Gang baute, welcher silberhaltig gewesen seyn soll. Sicher ist es, dass eine Gold- und Silberwäsche hier betrieben wurde; denn man sieht noch an beiden Seiten eines Wassergrabens, zu welchen man das Wasser von Großenreuth in Spundstücken herleitete, Haldenstürze und Spuren von Seifenarbeiten und Schmelzöfen. Noch vor 40 Jahren sollen fremde Bergleute, die, wie man glaubt, Venetianer waren, wirklich Gold gewonnen haben (1777, wohl von Humboldt abgeschrieben).

1863 finden wir bei Hübsch (Geschichte der Stadt und des Bezirks Naila) S. 95, dass um 1324 Seifenwerke in Steben und in der Dürrenwaid auf Gold und Silber betrieben worden seien.

1879 schreibt Gümbel, der Altmeister der Geologie in der „Geognostischen Beschreibung des Fichtelgebirges mit dem Frankenwalde und dem westlichen Vorlande“ S. 301 und 481 unter Goldseifen: Ferner im Gevattergraben bei Steinbach (hier mit Zinkblende), am Seifenbache bei Obersteben aus ältester Zeit (14. Jahrhundert) nachgewiesen. S. 481: In der Nähe ist auch der vielgenannte Gevattergraben. Er gilt als eine Art Rösche, in der vor Alters, noch vor dem 15. Jahrhundert, Gold und Silber geseifet worden sein soll. Die zu beiden Seiten des Grabens wallartig aufgehäuften Erdmassen und kleine rundliche Haufen, die als Seifenhügel gelten können, mehr noch die Spuren eines Wasserzuleitungsgrabens, der in den sumpfigen Wiesen von Großenreuth seinen Anfang nimmt, sprechen zu Gunsten der alten Sage, die sich auch bei dem Seifenbache bei Obersteben wiederholt. (Hier wird die schon anfangs erwähnte Sage angeführt). Gümbel zitiert dann auch aus Humboldt und konnte sich die Herkunft des Goldes auch nicht erklären.

1913 erwähnt Köhl in „Zur Geschichte des Bergbaues im vormaligen Fürstenthume Kulmbach-Bayreuth“ S. 70 lediglich den schon bei bei Kretschmann 1740 angeführten Rutengängerbericht des Johann Lipfert 1681 – ein halb Morgen und Mittag streichender Silbergang auf Hans Hüttners Geräume, welcher 43 Zoll mächtig und mit Steinen bezeichnet. Hält ein Zentner Erz 33 Mark Silber und 6 Loth Gold, ist ehedessen ein Wäschwerk, so der Gevattergraben genannt wird, gewesen; kann mit großen Nutzen gebauet, und eine Kunst, wozu das Wasser schon vorhanden ist, gehenget werden.

 1924 wird vomBayerischen Geologischen Landesamt in „Die nutzbaren Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns“ Bd. I, S 98 unter Goldwäschereien nur erwähnt: Alte Goldseifenwerke sollen ferner bestanden haben am Gevattergraben bei Steinbach, am Seifenbach bei Obersteben, bei Tröstau etc.

1966 erwähnt Horstig in den „Erläuterungen zu Blatt Nordhalben“ nur die Eisenbergwerke bei Steinbach.

1977 zitiert Schmeltzer in den „Mineralfundstellen Bayern“ S. 118: Gevattergraben bei Steinbach: Goldseife. Im 15. Jahrhundert und noch 1777 soll hier Gold gewaschen worden sein.

Diese Aufzählung dürfte die gesamt greifbare Literatur über das Gold vom Gevattergraben erfassen.

Und nun zu der Wiederentdeckung des Goldes: 1980 bis 1985 unternahm die Preussag AG von Ludwigsstadt bis Passau moderne Untersuchungsarbeiten auf verschiedene Erze. Ausgedehnt waren z.B. die zahlreichen Bohrungen auf Zinn am Büchig bei Gottsmannsgrün, wo man auch ein eigenes Labor unterhielt. Im Gevattergraben klopfte wochenlang und bei jedem Wetter eine Mineralogiestudentin, Frau Christiane Ebert, von der Universität Kiel. Und sie fand das Gold wieder! Von winzigen Flittern und Flämmchen bis zu über 1 Millimeter großen „Nuggets“. Ihre Forschungen zusammen mit ihrem Lehrer Prof. Kern sind noch nicht abgeschlossen. (Nach Chr. Ebert und H. Kern „Morphologische Eigenschaften des Seifengoldes aus dem Gevattergraben (Frankenwald) und ihre Bedeutung für die Goldprospektion“ in „Fortschritte der Mineralogie“, Bd. 63, Beiheft 1, 1985 fand man drei Typen von Gold:

Typ A: Unregelmäßig geformtes zackig-zerklüftet, mit Arsenopyrit und Quarzeinschlüssen. Es muss aus Goldquarzgängen stammen, die hier durch das Gebirge ziehen. Vor Jahrzehnten lagen noch viel mehr große Quarzblöcke umher.

Typ C: Es sind Freigold-Brauneisenverwachsungen und stammen aus verwitterten Eisensulfiden und –Arseniden, wie sie in sulfidführenden Diabasvulkaniten vorkommen. Diese gibt es oberhalb des Gevattergrabens.

Typ B ist besonders interessant. Es ist unregelmäßig geformtes, weiches Freigold mit glatter Oberfläche. Bisher einmalig auf der Welt sind darin Süßwasserkieselalgen gefunden worden, um die sich das Gold angelagert hat. Durch Huminsäuren des Erdreiches scheint Gold gelöst und mit dem Wasser transportiert zu werden und lagert sich „durch chemische Transport- und Fällungsprozesse“ wieder aneinander.

„Gold wächst nach“ lauteten Überschriften in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, die damit den Gevattergraben bekannt machten.

Neu ist diese Erkenntnis nicht: Goldwäscher suchten oft ausgebeutete Seifengoldlager nach Jahrzehnten wieder auf und fanden wieder Gold.



Die ehemaligen Eisenbergwerke um Steinbach

Es waren Roteisenerze, zum Teil in Brauneisen und Ocker umgewandelt, welche an der Grenze von hartem Diabas bzw. Schalstein zu Schiefern der Oberdevonzeit – etwa 350 Millionen Jahre alt – vorkamen, so genannte Roteisenerze vom Hunsrücktypus. Der Eisengehalt schwankt zwischen 25 und 50 % (1).


Die Grube „Bergmännisch Glückauf“ baute seit 1732 NNW vom Langen Bühl, etwa 0,8 km WNW der Ortsmitte von Steinbach, „auf einem nur wenige Lachter (1 Lachter = 2 m) unter Tag und zu Tag ausstreichenden Eisensteinlager im Grünsteingebirge (2). Der Eisenstein war von rötlich-gelblicher Farbe und von mittlerer Güte“ (3). 1736 wurde sie von Heinrich Völkel gebaut (4). 1740 arbeiteten hier 4 Eigenlöhner. Der Schacht war nur 3 Lachter tief, der rote Eisenstein von geringer Sorte (5). Auch 1783 wurde gearbeitet (6). 1790 wurden mit 9 Mann 219 Seidlein Roteisenstein gefördert (7). Von Anfang an arbeitete man mit Unterbrechungen durch Fristenhaltungen. Es handelte sich bei den Eigenlöhnern ja meist um Landwirte, die sich hier zeitweise etwas verdienten. 1797 war die Grube in Betrieb (8) und Bergmeister Grund bestätigt 1809 auch einen fortlaufenden Betrieb seit 1799 (3). Ausführlicher schreibt sein Berggeschworener G.H. Spörl (beide verstanden sich aus fachlichen Gründen gar nicht) 1810 über diese Grube (9). Sie lag damals auf Conrad Sell´s Wiesen. Das Eisenerzlager war zwischen 1 Fuß und 1 ½ Lachter mächtig (31 cm und 3 m breit) und enthielt etwa 25 Pfund Eisen im Zentner Erz. 1780 baute man das Lager von einem Stollen aus nach oben hin ab, 1806 wurde wohl von weiter unten am Hang ein tieferer Stollen angelegt, welcher unter dem Lager 18 Meter Tiefe erreichen sollte. 1810 forderte aber Herr Zahn, der Besitzer der Wiese, worauf durch den Stollenbau eine immer größer werdende Abraumhalde entstanden war – über das Bergamt, da von den Gewerken nichts zu erhalten war – jährlich 14 Gulden Entschädigung (10). Von 1810 bis 1815 kennen wir aus dem Briefwechsel zwischen den Gewerken und dem Bergamt Steben die Verhältnisse ganz genau (10,11). Einerseits wurde vom Bergamt (Bergmeister G. Grund, Bergamtsgegenschreiber Brendel und Berggeschworener Spörl) der fehlende oder sehr träge Betrieb dieser und anderer Gruben moniert, andererseits klagten die Eigenlöhner immer wieder über fehlenden Absatz der geförderten Erze an den Kayserhammer in Geroldsgrün. Man hatte kein Geld, um auf viel Vorrat arbeiten zu können. Sie hatten ihre Grubenanteile oft von ihren Groß- und Urgroßvätern erworben. Schichtmeister J. G. Drechsel leitete die Grube mit viel Ärger. Dem Bergamt gelang es zeitweise eine gewerkschaftliche Grube daraus zu machen und wenigstens einen Bergmann zum laufenden Abbau anzusetzen. Als so der angestellte Bergmann Johann Horn von Langenbach monatelang keinen Lohn erhalten hatte, nahm er „Urlaub“. Hatte man mal im Frühjahr Absatz und gleichzeitig in der Landwirtschaft oder im Wald zu tun, so bat man z. B. am 9.3.1811 das Bergamt um die zwei Häuer, Adam Heinrich Herpich und Georg Heinrich Griesbach, „damit die Grube bei schöner Wiederung in Betrieb gesteld werde“. Immer wieder wurden die Gewerken in Rundschreiben aufgefordert, ihre Grubenschulden in ein bis zwei Wochen zu begleichen. Und die meist armen Leute unterschrieben und gaben ihr Scherflein; so finden wir 1809 mit ihren oft recht mühsamen Unterschriften die Namen Nicol Röstel, Johann Adam Riedel, Johann Caspar Völckel, Johann Munzert gleich zweimal, Andreas Diezel, Johann Andreas Rank, Georg Heinrich Sell. Und 1813 sind es neben den Namen von Röstel, Rank und Sell noch ein Spörl im Namen seines Schwiegervaters Johann Heinrich Quehl, Heinrich Nicol und Johann Adam Spörl, Johann Drechsel, Andreas Herpich, Georg Ernst Hagen, Adam Friedel und mit xxx = Johann Michael Herppich. Die Geldnot war 1813 so groß, dass man bei fehlenden Absatz das geförderte Erz, wie schon in früheren Jahrhunderten, auf die Gewerken aufteilte, die es dann selbst veräußern konnten. 1827 fördern 3 Arbeiter unter einem Aufseher nur 50 Seidlein Brauneisenstein á 45 Kreuzer = 37 Gulden 30 Kreuzer (12). 1857 wurde auf dieser Grube der Bergbau endgültig eingestellt (1,2) und 1858 wurde die Grube extradiert, d.h. aus dem Bergregister gelöscht (13).

Im Jahre 1872 mutete R. Herrmann aus Zeitz ein 187 Hektar großes Grubenfeld unter dem Namen „Richard“, welches das ganze Gelände westlich Steinbach samt der Gruben „Bergmännisch Glückauf“ und nördlich davon auch „Bau auf Gott“ umfasste. Die Verleihung erfolgte auf Grund mehrerer Eisenstein enthaltende Halden und Pingen. Es erfolgte 1877 die Umschreibung der Grube auf L. G. Theilen aus Leipzig und 1878 auf W. Reinhard Herrmann. Aus einem Schreiben von 1885 geht hervor, dass die „zuletzt betriebene Grube „Richard“ bei Steinbach ebenfalls – wie alle anderen Eisensteingruben in Oberfranken – wegen Mangel an Eisensteinabsatz wieder eingestellt werden musste“. Der Schacht – er lag etwa 500 Meter NÖ des Langen Bühl – hatte in 20 Meter Tiefe das einen Meter mächtige Eisensteinlager erreicht. Beim Abteufen dieses Schachtes hatte man im Juni 1884 mit einer Belegung von 3 Mann 50 Zentner Roteisenstein gefördert, der nicht abgesetzt werden konnte (14). 1928 wurden alle diese Mutungen des 19. Jahrhunderts vom Oberbergamt in München als Bergwerkseigentum gelöscht (15).

Im August 1978 brach ein Landwirt mit einem Rad seines Traktors plötzlich auf einer Wiese am Langesbühl ein (Frankenpost vom 25.8.1978). Waldemar Lang, Peter Mannigel und Franz Schäfer erforschten diesen etwa 40 Meter langen und sehr engen Stollen. Auf Grund der Lage und des schon früher beschriebenen mehr ockergelben Erzes handelt es sich sicher um einen Teil der „Bergmännisch Glückaufgrube“. Die wissenschaftliche Bearbeitung fand ihren Niederschlag in der Zeitschrift Bergbau 6/1983 durch Prof. Harald Dill / Bundesforschungsanstalt Hannover, aus Marlesreuth stammend und Waldemar Lang (16).

 Folgende Bergwerke werden weniger ausführlich beschrieben, sie hatten aber oft die gleichen Schicksale:

„Bau auf Gott“ und „Bau auf Gott Johanna Christiana“ werden immer zusammen genannt. Sie lagen nicht weit voneinander entfernt, 300 und 500 Meter westlich der Straße nach Langenbach auf der Gemeinreuth. Zwei Bänder Roteisenstein, insgesamt bis 1 Meter breit, wurden von 1764 bis 1788 (17), dann bis 1808 nur zeitweise bebaut. 1790 förderte man nur 50 Seidlein Eisenstein (7). Humboldt (18) hatte vor 1795 immer wieder auf Anstellung eines Steigers und fortlaufende Arbeit bei all diesen lasch betriebenen Bergwerken gedrängt. So hatte man in all den Jahren bis 1794 bei einem Aufwand von 1407 Gulden nur für 1481 Gulden Eisenstein verkauft, also nur eine Ausbeute von 81 Gulden erzielt. Wegen sehr festen Gesteins und Wasserzustrom wurde die Grube ins Freie gegeben. Ende 1803 setzte sie Hammerbesitzer Kayßer auf dem unteren Hammer zu Geroldsgrün wieder in Gang; er schätzte die außerordentliche Güte des Eisensteins, 1 Zentner kostete 1 Gulden rhl. Ein neuer 40 m langer Stollen brachte unter dem Schacht 12 m Tiefe ein (3). Eine Ein- und Ausgabenrechnung über das 3. und 4. Quartal 1817 dürfte auch heute noch jeden Buchhalter erstaunen lassen (19).

1826 bat man für „Bau auf Gott“ um Zehntbefreiung (20), während 1827 auf „Bau auf Gott Johanna Christiana“ mit 1 Aufseher und 2 Arbeitern noch 3.412 Seidel Roteisenstein gefördert wurden (12).

Von einer alten Grube „Die Güte Gottes“ bei Steinbach schreibt 1736 Bergmeister Johann Abraham Löwel, dass sie nicht gebaut wird (21).

Die Grube „Glück halt an“ vermutete Waldemar Lang oberhalb des Gold führenden Gevattergrabens. Sie war von 1780 bis 1786 in Betrieb (7,17). Nach Grund lag sie aber oberhalb Steinbach, führte rötlich-gelben Eisenstein, wovon 1790 235 Seidel gefördert wurden (7) und fiel 1797 endgültig in Freie (3).

Ein „gleich unter dem Rasen“ liegendes kleines Lager von Roteisenerz wurde unter dem Namen „Drei Sachsen“ von 1721 bis 1725 etwa einen halben Kilometer nördlich von Hirschberglein erfolgreich bebaut. Man gewann mit 2 Häuern und einem Knecht 1.728 Seidel Eisenstein im Werte von 271 Gulden mit einem Reingewinn von 175 Gulden (22). Von 1782 bis 1788 wurde hier nochmals geschürft (17).

Mit dem eigenartigen Namen „Vogelstrauß“ wurde eine Eisensteingrube 1 km östlich von Steinbach im Seifenbachtal benannt, deren Erforschung Waldemar Lang besonders beschäftigte. Diese Grube wurde von 1737 bis 1809 immer wieder von den Bauern als Grundeigentümern betrieben (1). Das bis 3 m mächtige Lager bestand aus rotem Thoneisenstein, rotem Eisenkiesel mit Quarz und Schwefelkies und ergab etwa 40 Pfund Eisen pro Zentner. Wegen der schlechten Erzqualität wurden die 100 bis höchstens 465 Seidel jährlich nur mit 30 Kreuzer pro Seidel bezahlt. Lange Zeit wurde das Lager bei trockener Jahreszeit nur von oben abgebaut und kleine Schächte wurden mit Pumpen entwässert. 1790 wurde ein kostspieliger 44 m langer Stollen südlich vom Seifenbach her angefangen, die Gelder gingen aus und die Grube musste von den Bauern 1807 ins Freie gegeben werden. Sofort begann eine zahlungskräftigere Gewerkschaft – auch einige Bergbeamte durften sich vorübergehend daran beteiligen – die Fortführung des Stollens in weicherem Gebirge. Nach 120 Metern hatte man das Lager erreicht und konnte über einen Förderschacht ein vorzügliches, fast 1 Meter breites Eisensteinlager abbauen. Schon 1809 war der Aufwand von 2.274 Gulden durch Eisenerzverkauf fast gedeckt. Die Investitionen der zahlungskräftigen Gewerkschaft hatten sich gelohnt (aus 3,6,8 und 23). Vom „Vogelstrauß“ existiert auch ein Grund und Seigerriß vom ersten Berglehrer Georg Heinrich Spörl von 1796 (24). Die letzte Mutung auf dieses Bergwerk erfolgte 1872, man verzichtete endgültig 1874 (25). 



Benutzte Quellen:

(1)     von Horstig: Geolog. Karte, Blatt Nordhalben 1969

(2)     C.W. Gümbel: Geognostische Beschreibung des Fichtelgebirges

mit dem Frankenwalde … 1879, Nachdruck 1998, S. 481 u. 511

(3)     G. Grund: Kurze Beschreibung der im Jahre 1809 gangbaren

Bergwerke in dem Bergamtsrefier Lichtenberg, 1805

(4)     Kr.II/S.447 = Sammlung zu einer Berg-Historia d. Markgrafentums

Brandenburg-Bayreuth v. Joh.Wilh. Kretschmann, Hof 1741, Reprint

1992. Kr.II = 2. Band, dto

(5)     Kr.II/S.647

(6)     Chr.Ernst Tromler 1783, Nachr. v.d. Bayreuthischen Bergwerken,

in Journal von u. für Deutschland1792

(7)     Alexander v. Humboldt: Über den Zustand des Bergbaus … 1792,

Reprint v. 1959 in Freiberger Forschungshefte D 23, S. 87 u. 116

(8)     J.Th.Benj. Helfrecht: Beschreibung d. Landeshauptmannschaft Hof…

1797, S. 85 u. 116

(9)     Georg Heinr. Spörl: Beschreibung d. Gruben .. des Bergamt Refier

Steben, 1810

(10)  StA = Staatsarchiv Bbg. K 602/697 u. 707

(11)  StA = Staatsarchiv Bbg. K 602/697 u. 707

(12)  aus H. Mörtel: Eisenhämmer im Frankenwald, in Unsere Heimat,

Beilage der Nailaer Zeitung 1955-56

(13)  StA Bbg. K 602/769

(14)  StA Bbg. K 600/3193

(15)  StA Bbg. K 600/3065

(16)  H. Dill u. W. Lang: Ein oberdevonisches Roteisen-Vorkommen

im „Neuaufschluß“ – Zschr. Bergbau 6/83

(17)  StA Bbg. C 9 VI/17222

(18)  A.v. Humboldt: Generalbefahrungsbericht v. 1795, übertragen in

Archiv f. Gesch. v. Oberfr. 1992, v. Wolfgg-Hagen Hein, Eberh.

Arnold und Fritz Zürl.

(19)  StA Bbg. K 602/741

(20)  StA Bbg. K 602/741

(21)  Kr.II, S 453

(22)  StA Bbg. C 9 VI/17215

(23)  StA Bbg. C 10 I/1015

(24)  StA Bbg. A 240/695

(25)  StA Bbg. K 600/3564 

 

 

nachgezeichnet von Ronald Ring